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Kommen Sie nach Vilnius, um Europa zu finden! (einseitiges tekst)

Vilnius hat viele Gesichter, Namen und Eigentümlichkeiten. Von den Deutschen des Mittelalters wurde sie „die Wilde“ genannt, während die Juden der ganzen Welt sie „Jerusalem des Nordens“ nennen. Doch wir selbst bezeichnen sie manchmal als „Athen des Nordens“. Man staunt schon, wenn man Vilnius sieht, dieses UNESCO-Weltkulturerbe und diese Perle des italienischen Barock, gelegen in einem ziemlich abgeschiedenen Winkel Europas, doch in Wahrheit befindet sich Vilnius bloß ein paar Kilometer vom geografischen Mittelpunkt Europas entfernt.

Historisch gesehen besteht ihre Altstadt aus vier Stadtvierteln, und zwar dem der litauischen und polnischen Katholiken, dem der deutschen Protestanten, dem der Juden und dem der russischen Orthodoxen. Obwohl Vilnius heutzutage sehr litauisch ist, vermischen sich hier die einen mit den anderen kulturellen und nationalen Einflüssen, so dass Vilnius gleichsam ein kleines Europa in einer Stadt darstellt. Das glauben Sie nicht? Na, dann planen Sie doch eine Reise hierher und überzeugen Sie sich selbst.

Vielleicht sehen Sie Vilnius als katholische, von Litauern und Polen geprägte Stadt, denn sie ist die Stadt des hl. Kasimir mit dem nach ihm benannten Kaziukas-Jahrmarkt, mit Heiligenreliquien, mit dem wundersamen Bild der Muttergottes am Aušros-Tor, mit den Kirchen im italienischen Barock und natürlich mit der berühmten, von den Jesuiten gegründeten Universität, an der sogar zwei weltbekannte Poeten – Adam Mickiewicz und der Literaturnobelpreisträger Czeslaw Milosz – studierten.

Vielleicht erscheint Ihnen diese Stadt ziemlich deutsch – ordentlich, sauber, mit unglaublich vielen Freiluftlokalen rund um den Rathausplatz, entlang der Vokiečių-Straße („Deutsche Straße“), nahe den schönen Kirchen des österreichischen Architekten Johann Christoph Glaubitz, die man Vilniuser Barock nennt und die oft den Rahmen für Konzerte klassischer Musik bilden. Und das ist nicht verwunderlich, hat doch die Stadt eine lange Musiktradition, denn hier lebte einst Christine Gerhardi Frank, eine Muse Ludwig van Beethovens, hier schuf Čiurlionis seine Werke, hier wurde Jascha Heifetz geboren und sein Talent entdeckt. Und heute treten litauische Musiker und Solisten auf den berühmtesten Bühnen der Welt auf.

Vielleicht bemerken Sie in der Stadt Spuren der jüdischen Vergangenheit, ist sie doch die Stadt des Gaon von Vilnius, einem der wichtigsten Denker und Theologen der Welt, sie ist eine Stadt, die vom 14. Jahrhundert an für ganz Mitteleuropa und auch für die Welt wichtig war durch die Nachkommen ihrer Emigranten, die der Welt nicht nur bekannte Persönlichkeiten, sondern auch Kunstwerke bescherten, wie Romain Gary die Stadt in seinem Roman „Frühes Versprechen“ beschrieb oder wie Marc Chagall und Chaim Soutine sie in ihren Gemälden darstellten.

Wenn Sie im verschneiten Winter hier spazieren gehen, dann zeigt sich Ihnen die Stadt vielleicht slawisch, orthodox – mit den russischen Kirchen, mit den Kirchturmkuppeln und mit den in Pelze gehüllten Passanten. Nicht umsonst gewannen berühmte Russen, einmal nach Vilnius gekommen, diese ihnen nahe und zugleich westliche fremde Stadt lieb – sie wurde von dem Maler Mstislaw Dobuschinski, dem Dichter Joseph Brodsky und dem Komponisten Rodion Schtschedrin verewigt.

So hatten wir es versprochen – das fotogene Vilnius hat viele Gesichter, Namen und Eigentümlichkeiten.

Kommen Sie nach Vilnius, um Europa zu entdecken; kommen Sie nach Vilnius, um sich inspirieren zu lassen. Kommen Sie nach Vilnius, um sich zu verlieben.

Kristina Sabaliauskaitė

Schriftstellerin und Kunstwissenschaftlerin, ausgezeichnet mit dem Preis des Hl. Christophorus der Stadt Vilnius